Die 3 größten Bewerbungsmythen.

Mythos #1:

Absageschreiben erlauben Rückschlüsse zu Deiner Bewerbung.

Mythos #2:

Bewerben geht auch ohne Arbeitszeugnis.

Mythos #3:

Freie Stellen werden immer ausgeschrieben.

 

Mythos #1: Absageschreiben erlauben Rückschlüsse auf Deine Bewerbung

Wenn ich Bewerbern im Coaching helfe, dann oft, weil Absagen völlig nichtssagend sind. In der Absage steht, dass sie jemanden anderen gefunden haben, der besser passt. Na toll! Absageschreiben erlauben fast nie Rückschlüsse auf Deine Bewerbung.

Das Absageschreiben ist in den meisten Fällen völlig unpersönlich. Je unerfahrener Du bist, umso eher trifft das zu. Bei höheren Positionen bekommst Du eher aufrichtiges Feedback. Gerade für „Massenpositionen“, wie Praktika nutzen Unternehmen Absage-Generatoren. Sie nehmen sich meist keine Zeit, individuell auf Dich einzugehen. Da ist die gesamte Firmenkommunikation im „Du-Ton“ und die Absage kommt im „Sie“. So spuckt es eben der Copy-Paste-Generator aus.

Unternehmen möchten in allen Fällen vermeiden, verklagt zu werden, weil sie sagen, dass Du zum Beispiel nicht zur Unternehmenskultur passt oder sowas. Das ist, wie wenn Dich jemand nach einem Date fragt und Du sagst: „Ich hab leider einen Freund“, obwohl Du keinen hast. Das ist eine Notlüge. Es ist verständlich, aber macht uns beim Bewerben das Leben schwer. Wir brauchen Feedback, um besser zu werden. Deshalb gibt es meinen Job des Bewerbungscoachs. ;)

Mythos #2: Bewerben geht auch ohne Arbeitszeugnis

Deutschland ist das Land der Paragraphenreiter und Spießbürger. Arbeitszeugnisse müssen sein. Sie ersetzen das, was in anderen Ländern die Referenzen ausmachen. Hier zu Lande fragt kein Mensch nach Referenzen, höchstens im akademischen Bereich.

Personaler hierzulande wollen am liebsten überall draufstehen haben: Stiftung Warentest “Sehr Gut” dann können sie ihr Hirn ausschalten und müssen nicht weiter nachdenken. Das Arbeitszeugnis ist im Bewerbungsprozess sowas, wie die Stiftung Warentest.

Immer wieder erlebe ich, dass Bewerber kein ordentliches Arbeitszeugnis von ihren bisherigen Arbeitgebern bekommen. Kein Wunder. Die Arbeitgeber sind zwar dazu verpflichtet, aber sie haben nichts davon. Wenn sie also nicht direkt darauf angesprochen werden, machen sie es oft nicht oder nur zögerlich.

Besonders gefährdet sind zwei Gruppen:
  1. Berufseinsteiger, die die Bedeutung des Arbeitszeugnisses noch nicht einschätzen können und erst Jahre später bemerken, dass sie in den Praktika Belege hätten sammeln müssen. Ärgerlich, denn dann ist es meist zu spät.
  2. Die zweite Gruppe sind Mitarbeiter kleinerer inhabergeführter Unternehmen. Speziell Ingenieure sind hier oft betroffen. Dort passiert es immer wieder, dass der Chef selbst die Personaler-Angelegenheiten übernimmt und nicht vertraut ist mit dem üblichen Code, in dem Arbeitszeugnisse verfasst werden. Du weißt, diese Floskeln, wie: stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt und so weiter. Das Ergebnis ist dann oft ein in Normaldeutsch geschriebenes Zeugnis, das zwar wahrheitsgemäß ist, aber den Bewerber extrem schlecht dastehen lässt, weil der Chef es für eine gute Idee hielt, doch noch ein paar Empfehlungen für die Zukunft mit reinzuschreiben. Katastrophe.

Die Lösung ist hier: Hol Dir regelmäßig Zwischenzeugnisse, damit Du keine bösen Überraschungen erlebst, wenn Dein Manager mal wechselt oder Du irgendwann mal ein gutes Angebot bekommst und Dein Chef, der Dir immer wohl gesonnen war, sich auf einmal gegen Dich wendet. Das ist so wie das Ehepaar, dass sich immer treu war, aber bei der Scheidung plötzlich den Rosenkrieg erklärt. Notfalls müssen wir Dein Zeugnis einem Arbeitsrechtler übergeben. Das kommt häufiger vor, als Du denkst. Und die Bedeutung des Zeugnisses ist kaum zu überschätzen, denn der Personaler in Deinem neuen Unternehmen ist ein Tier der Gattung Angsthase und der will kein Risiko eingehen mit Dir.

Mythos #3: Freie Stellen werden immer ausgeschrieben

Die Wahrheit sieht etwas anders aus. Für Berufseinsteiger sind Praktika oft auch unter der Hand zu bekommen. Und 3 von 4 Positionen an fortgeschrittene Führungskräfte in Deutschland werden über persönliche Kontakte vergeben. Je besser und anspruchsvoller die Jobs sind, umso eher werden sie über das Netzwerk besetzt. Nicht nur über das Netz der Personalerin, sondern der Führungs- und Fachkräfte im Unternehmen.

Überlege einfach mal, welchen Unterschied es für Dich macht. Du hast vielleicht 75% des Potenzials noch nicht genutzt. Ist es schwierig, in Deinem Wunschfeld einen Job zu bekommen, dann ist das vielleicht Deine Chance. Nutze also XING und LinkedIn, was das Zeug hält.

Hier ist ein sehr einfacher Tipp fürs Netzwerken

Wir unterschätzen sehr oft, wie schnell uns andere helfen würden. Das Problem ist: Wie sollen sie uns helfen, wenn wir ihnen nicht sagen, wie? Wenn wir es nicht klar kommunizieren, dann machen wir es anderen schwer, uns zu unterstützen. Wir rauben ihnen förmlich die Möglichkeit dazu. Offen zu sagen, wie andere Dir helfen können, ist vielleicht eine Umstellung, doch was ist das Schlimmste was passieren kann? Wenn jemand keine Idee hat, dann hast Du es zumindest versucht. Wenn jemand negativ auf Deine höfliche, ungezwungene Bitte reagiert, dann weißt Du, wen Du nicht mehr in Deinem Netzwerk brauchst.

Pflege einen großen Bekanntenkreis

Laut Robert D. Putmans Social Capital Theory werden die meisten Jobs nicht durch den Freundeskreis, sondern den Bekanntenkreis vergeben. Das liegt daran, dass wir uns meistens mit ähnlichen Menschen umgeben. Bist Du Maschinenbauer, hast Du wahrscheinlich mehr Maschinenbauer in Deinem Freundeskreis als Führungskräfte, Personaler oder Unternehmer. In Deinem Bekanntenkreis sind jedoch wahrscheinlicher Menschen mit anderem, vielleicht höherem Status oder sichtlich mehr Berufserfahrung. Genau diese Bekannten sind die beste Anlaufstelle, über Kontakte einen Job zu finden.

Und so kannst du diesen Tipp konkret umsetzen: Wenn Dich Deine Freunde und Bekannten demnächst fragen: „Was gibts Neues bei Dir?“ wähle Deine Antwort bewusst. Du wirst merken, dass die Antwort etwas länger dauert, aber das hat den Zweck, dass Dein Gegenüber Zeit hat, im Kopf alle Möglichkeiten und Kontakte abzugrasen, die Dir helfen könnten.

Fragen wir nur in einem Satz: „Kennst Du einen, der mir im Job helfen kann?“  ist ein “Hm, da fällt mir jetzt so spontan niemand ein” garantiert. Wenn Dich aber ein Freund fragt: Wie geht‘s Dir: Dann sag: “Mir geht’s gut, aber Du weißt ja vielleicht. Ich bin gerade mitten im Bewerbungsverfahren für Positionen im Projektmanagement. Ich hätte gerne Deine Ideen dazu - denn ich habe gehört, dass ein Großteil der Jobs über Empfehlungen von Bekannten vergeben wird. Vielleicht fällt Dir ja ein Unternehmen oder eine Position ein, die zu mir passen würde, schließlich hast du schon viel Erfahrung. Gerne würde ich im Tourismus arbeiten, ich bin aber auch offen für andere Branchen. Hauptsache es ist zumindest ein mittelständisches Unternehmen. Hast du Ideen?”

Du kannst das auch schriftlich machen. Dabei kannst Du Dich dann etwas kürzer fassen. Hast Du Dich längere Zeit schon nicht gemeldet, sprich das von Dir aus an. Am besten du milderst das dann mit einem Kompliment ab. “Hey, wir haben uns ja leider schon einige Zeit nicht gesehen, doch ich erinnere mich sehr positiv an unsere Gespräche.”

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